| „Nach Düsseldorf? Ganz bestimmt nicht!“ (LA, 31.03.08) |
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| Geschrieben von Peter R. | |
| Mittwoch, 2. April 2008 | |
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VON FRANK WEIFFEN Das Spiel der „Giants“ gegen Tübingen war eines der letzten in Leverkusen. Ein Stimmungsbericht aus den Reihen der Fans. „Die sollten sich schämen“ Natürlich hat Anita auch an diesem Sonntag ihre Schals zusammengepackt, die große Trommel umgehängt und ist zur Dopatka-Halle marschiert. Heimspiel. Gegen die „Walter Tigers Tübingen“. Seit über zehn Jahren ist es das immer gleiche Prozedere. Zwei Stunden steht sie am Spielfeldrand und haut auf die Pauke, um ihre Jungs zum Sieg zu treiben. Aber bald ist Schluss damit. Dann steht der Umzug der Bayer Giants nach Düsseldorf an - weil sich der Chemiekonzern aus allen Profisportarten außer dem Fußball zurückzieht und kein neuer Geldgeber für Basketball in Leverkusen in Sicht ist. Düsseldorf, mag nun manch einer denken, das ist ja nur 25 Kilometer entfernt. „Aber meine Stadt ist Leverkusen. Das ist meine Heimat. Hier ist mein Verein, durch den ich so viele Freunde kennen gelernt habe“, sagt Anita. Und darum wird sie bald nicht nur das Kribbeln vor den Heimspielen vermissen. „Vermissen werde ich vor allem die Fanclubtreffen rund um die Spiele, bei denen man seine Kumpels in den Arm nimmt.“ Mit den Giants sterbe auch ein Teil von ihr, klagt sie - und wird nochmal richtig wütend: „Wir Fans stehen hier und rufen »Bayer, Bayer«. Der Konzern sollte sich schämen. Und das kannst du ruhig so schreiben.“ Wie zum Hohn hängt am anderen Ende der vollen Halle ein Werbe-Banner: „Mein Lev - meine Bayer Giants“, steht da in Riesenlettern drauf. Anita schaut schon lange nicht mehr hin. Die Jungs und Mädels vom Fanclub „Stealers Leverkusen“ auch nicht. Bei ihnen regiert der Trotz. Andre Müller brüllt unablässig in sein Megaphon. Judith, Albert, Kay und knapp 30 andere schwenken ohne Unterbrechung ihre Leverkusen-Fahnen. Sie schwören: „Nach Düsseldorf fahren wir ganz bestimmt nicht mit.“ Die erste Mannschaft sei dann für sie gestorben. An ihre Stelle werde das Regionalligateam rücken, das auch weiterhin in Leverkusen spielt. „Die werden wir dann unterstützen“, sagt Albert. Andere dagegen werden sich ganz vom Basketball verabschieden. Etwa Inge Steudtner (76) und ihr Mann Siegfried (74) aus Rheindorf. Sie sitzen mit Schal und „Klapperhändchen“ aus Plastik im Oberrang, Block A. Beide sind seit Anfang der 90er Jahre dabei. „Aber wir haben kein Auto mehr. Und in unserem Alter ist es einfach zu beschwerlich, regelmäßig nach Düsseldorf zu fahren“, sagen sie - und klappern noch eine Runde für die Giants auf Abschiedstour. Und dann sind da noch Angelika Schulz (60) und ihre Mutter Emmy Rattajczak. Die ist 83 Jahre alt und sagt mit sehnsüchtigem Blick: „Ich war vom allerersten Tag an dabei.“ Seit 1961. Immer mit Dauerkarte. Ihre Söhne und Enkel haben in den Jugendteams Basketball gespielt. „Und das alles wird jetzt kaputt gemacht“, meint die rüstige Dame verbittert. Emmy Rattajczak schaut ihre Tochter an. Dann schlägt sie ohne jeden Anflug von Humor vor: „Beim letzten Spiel sollten wir einen schwarzen Anzug tragen.“ „Das macht ihr kaputt“ Am Ende der Partie gegen Tübingen steht wieder einmal ein Sieg: 92:77. Bayer, der Deutsche Rekordmeister, ist Tabellenzweiter und hat die Chance auf Titel Nummer 15 gewahrt. „Seht ihr, Bayer, das macht ihr kaputt“, schreien die Fans. Ihre Münder lächeln zwar ob des Sieges. Ihre Augen aber glänzen nicht mehr. Nach dem Abklatschen der Spieler folgt noch ein routiniertes Tänzchen mit der Mannschaft, die bald keine Fans mehr haben wird. Dann packen Anita, Judith, Albert, Kay und all die anderen ihre Fahnen, Schals und Trommeln zusammen und schleichen sich aus der Halle. Viermal werden sie das noch tun. Dann gehen die Lichter aus. Und das Kribbeln ist weg. Quelle: LA, 31.03.2008 |
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